Zentralrat der Juden
"Sarrazin macht Hitler Ehre"
Katja Bauer, veröffentlicht am 10.10.2009
Berlin - Mit harschen Worten hat der Zentralrat der Juden den Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin für dessen abwertende Äußerungen über Türken und Araber kritisiert. "Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht, so wie er es formuliert", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, gestern in Berlin. "Er steht in geistiger Reihe mit den Herren."
Kramer gab Sarrazin in der Sache insoweit recht, als er sagte, es gebe integrationsunwillige Menschen in der türkisch- oder arabischstämmigen Bevölkerung. Das liege aber auch an fehlenden Integrationsbemühungen der deutschen Gesellschaft, die selbst Akademiker mit türkischen Namen diskriminiere.
Kramer äußerte sich auf einer gemeinsam mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland einberufenen Pressekonferenz. Deren Vorsitzender Kenan Kolat verlangte erneut, Sarrazin müsse zurücktreten. Kolat sagte, er habe den Bundesbankpräsidenten Axel Weber um ein Gespräch gebeten. Man könne es nicht mehr hinnehmen, dass solche Äußerungen mit beredtem Schweigen beantwortet würden. Sarrazin lehnte einen Rücktritt erneut ab. In dem langen Interview über Berlins Zukunft hatte Sarrazin auch von "kleinen Kopftuchmädchen", die "produziert" würden, gesprochen und beklagt: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."
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"Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht, so wie er es formuliert."
Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden
Forderung nach Rücktritt erneuert
Kramer äußerte sich auf einer gemeinsam mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland einberufenen Pressekonferenz. Deren Vorsitzender Kenan Kolat verlangte erneut, Sarrazin müsse zurücktreten. Kolat sagte, er habe den Bundesbankpräsidenten Axel Weber um ein Gespräch gebeten. Man könne es nicht mehr hinnehmen, dass solche Äußerungen mit beredtem Schweigen beantwortet würden. Sarrazin lehnte einen Rücktritt erneut ab. In dem langen Interview über Berlins Zukunft hatte Sarrazin auch von "kleinen Kopftuchmädchen", die "produziert" würden, gesprochen und beklagt: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."
Kommentare (7)
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normalo,
11.10.2009
sarrazin und co
Herzlichen Dank für Ihren erfrischenden Kommentar, Herr Rempfer, dem ich von den Positionen her nur zustimmen kann.
Sarrazin polarisiert. Aber nicht zu Unrecht. Seine Haltung bestätigen Migranten, die mir als einfachem Deutschen zu verstehen geben, dass in der BRD über viele unliebsame Themen ein Mantel des Schweigens gebreitet wird. Und, in einer verschärften Konsequenz: zu viel gegeben und zu wenig gefordert wird. Ich spreche von Geben, nicht von Fördern.
Insofern treffen sich die Unterstützenden Kramer und Kolat. Seltsame Allianzen... ungewohnt in früheren Jahren. Aber wenn es ums Geben geht...
... steht die BRD offenkundig in einer Traditionsquelle, die nicht versiegen darf. Weder hierhin, noch dorthin.
Ich wünsche mir, dass man die Dinge beim Namen nennen darf - ungeachtet der politischen Zustände. Missbrauch als Missbrauch bezeichnen darf, Gewalt, ob im Gaza-Streifen oder anderswo als solche deklarieren darf. Und auch - bei aller historischer Schuld - , die Dinge beim Namen nennen darf, die Israel aus meiner Sicht falsch macht, ohne sofort in den Kerker des Revisionisten geworfen zu werden.
Und ich wünsche mir das aus gutem Grund: weil diese Themen ansonsten den braunen Triebtätern überlassen werden. Wo Diskussionen unterdrückt oder durch eine Glasur des schönen Scheins überdeckt werden, wächst genau diese Unzufriedenheit und der Weg in antidemokratische Strukturen.
Das Vermeiden einer gründlichen und komplexen Diskussion dieser Themen frustriert nicht nur, sondern verhindert gute, kluge Lösungen. Und treibt den barunen Spießgesellen die Wähler in die Arme.
Sarrazin polarisiert. Aber nicht zu Unrecht. Seine Haltung bestätigen Migranten, die mir als einfachem Deutschen zu verstehen geben, dass in der BRD über viele unliebsame Themen ein Mantel des Schweigens gebreitet wird. Und, in einer verschärften Konsequenz: zu viel gegeben und zu wenig gefordert wird. Ich spreche von Geben, nicht von Fördern.
Insofern treffen sich die Unterstützenden Kramer und Kolat. Seltsame Allianzen... ungewohnt in früheren Jahren. Aber wenn es ums Geben geht...
... steht die BRD offenkundig in einer Traditionsquelle, die nicht versiegen darf. Weder hierhin, noch dorthin.
Ich wünsche mir, dass man die Dinge beim Namen nennen darf - ungeachtet der politischen Zustände. Missbrauch als Missbrauch bezeichnen darf, Gewalt, ob im Gaza-Streifen oder anderswo als solche deklarieren darf. Und auch - bei aller historischer Schuld - , die Dinge beim Namen nennen darf, die Israel aus meiner Sicht falsch macht, ohne sofort in den Kerker des Revisionisten geworfen zu werden.
Und ich wünsche mir das aus gutem Grund: weil diese Themen ansonsten den braunen Triebtätern überlassen werden. Wo Diskussionen unterdrückt oder durch eine Glasur des schönen Scheins überdeckt werden, wächst genau diese Unzufriedenheit und der Weg in antidemokratische Strukturen.
Das Vermeiden einer gründlichen und komplexen Diskussion dieser Themen frustriert nicht nur, sondern verhindert gute, kluge Lösungen. Und treibt den barunen Spießgesellen die Wähler in die Arme.
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